SERIE: ENTDECKEN SIE DIE TALENTE HINTER VILLEROY & BOCH

DEN AUFTAKT MACHT DER FOTOGRAF AUS LEIDENSCHAFT, MICHEL VON BOCH

Seine abgewetzte, braune Umhängetasche hat schon viel gesehen. Ebenso die Linse seiner Hasselblad-Kamera Baujahr 1990. Seit Michel von Boch (43) angefangen hat zu fotografieren, transportiert er seine acht Kilo schwere Fotoausrüstung in dieser Tasche. Tasche und Mittelformat-Kamera sind seit gut zwanzig Jahren seine ständigen Begleiter.

Mit ihnen ging es nach Kuba – auf eine Fotoreise, die zwei Ausstellungen und den Bildband „Kubas Hände“ hervorbrachte. Auch Indien stand bereits Modell. Vielmehr die Menschen dort. Sie sind es, die Michel von Boch als Sujets am meisten faszinieren. Eben das echte Leben auf der Straße, der Alltag. „Mit meiner Kamera sehe ich Details, die viele mit bloßem Auge gar nicht wahrnehmen“, sagt er. „Wenn ich schnell und spontan einen Moment in Bewegung festhalten möchte, greife ich auch ganz gerne zu meiner Leica.“ Inszenierungen, digitale Bild-Bearbeitung, künstliches Licht – Gräuel für den Fotografen.

 

Auf Fototour in Paris, der Stadt in der er acht Jahre gelebt und seine Frau kennengelernt hat, steht Michel von Boch vor Sonnenaufgang auf, um am Montmartre den Sieg des Tages über die Nacht festzuhalten. Ein verliebtes Paar auf den Stufen vor Sacre Coeur kuschelt sich durch das Farbenspiel von grau zu blau – Michel von Boch verewigt sie. Mit fester Brennweite, ruhiger Hand und einem Auge für das Besondere.

Neben der Schwarz-Weiß-Fotografie hängt das Herz des Ehemanns und Vaters dreier Kinder an seiner Familie, an seinem Grundbesitz im Saarland mit Wald und Landwirtschaft, und am Familienunternehmen, das den Namen seiner Vorfahren trägt: Villeroy & Boch.

Als Mitglied des Gesellschafterausschusses verfolgt Michel von Boch stetig die Entwicklungen des weltweit bekannten Lifestyle-Unternehmens. Als Fotograf reiht er sich ein in eine beachtliche Riege an Talenten dieses Fachs aus den Familien Villeroy und Boch.

René von Boch fotografierte bereits Ende des 19. Jahrhunderts während seiner Reisen in Nordafrika. Monika von Boch war  in den 1960er Jahren Werksfotografin bei Villeroy & Boch, brillierte außerdem in der experimentellen Fotografie – und Constance Villeroy de Galhau war als Modefotografin in Paris tätig. Heute ist sie freischaffende Künstlerin mit eigener Galerie in Rennes.

„Das Talent und auch die Passion, mit der Kamera flüchtige Momente, das auf den ersten Blick Unsichtbare einzufangen, liegen wohl in den Genen unserer beiden Familien“, kommentiert diese Tatsache Luitwin Gisbert von Boch, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Villeroy & Boch und heute Ehrenmitglied des Aufsichtsrats.

Michel von Bochs diskrete, niemals voyeuristische Werke entfalten ihre Wirkung tatsächlich oftmals erst auf den zweiten Blick. Die in ihnen sichtbar werdenden Details nimmt der Betrachter nach und nach wahr. Es braucht Zeit, sich auf die Fotografie von Michel von Boch einzulassen.

„Bei der Auswahl einer guten Fotografie bin ich sehr streng mit mir“, sagt der in Lübeck Geborene, der heute in Mettlach lebt. Nur die wenigsten Fotos überstehen seinen kritischen Blick bei der Begutachtung der Negative auf den Kontaktbögen oder dem Bildschirm. „Ich sehe die Kamera als mein Werkzeug. Je versierter ich bei deren Handhabung bin, desto tiefer kann ich in die Materie eindringen, die ich gerade bearbeite.“ Klar ist: Michel von Boch beherrscht sein Handwerk.

Begleiten Sie Michel von Boch auf Fototour durch die französische Hauptstadt und sehen Sie im Video, mit wie viel Gefühl und Technik der 43-Jährige ans Werk geht, oder wie er seine Bilder rahmen lässt. Denn: „Mit dem Fotografieren alleine ist es nicht getan. Ein guter Barytpapier-Abzug einer meiner Fotografien muss geschützt und richtig präsentiert werden“, sagt Michel von Boch. Auf einen handgearbeiteten Rahmen aus edlem Holz, der innen zart vergoldet sein darf, wartet er geduldig manchmal eineinhalb Monate.